Franziska Göbke - Ani Briska 

                  

Blogroman

 



Vane - Ihre eisblauen Augen bringen mich um den Verstand. Ich will diese Frau mehr als alles andere - doch sie ist für mich verboten. 


Loraine - Ich habe mich festgefahren und in die absolute Scheiße manövriert. Und dann ist da dieser Mann, der nicht verbirgt, was er von mir möchte - doch ich kann nicht. 


Für Loraine läuft alles schief. Erst verliert sie ihren Job und dann ist da noch ihre Beziehung, die sich immer mehr zu einer Hass-Liebschaft entwickelt. Am liebsten würde sie fliehen, aber dafür ist sie zu schwach, bis ....

Vane hat einiges in seinem Leben erreicht, dennoch fehlt ihm das gewisse "Etwas". Das es ausgerechnet eine Frau sein muss, möchte er zu Beginn nicht wahrhaben, bis ....



Information: Der Roman wird Kapitelweise 1x wöchentlich erscheinen. Auf ein Lektorat und Korrektorat wird auf der Website verzichtet. Das später zu kaufende Buch kann zusätzliche Szenen und Änderungen enthalten. 

Dieses Werk ist reine Fiktion. Jegliche Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sowie Schauplätzen sind zufällig und nicht beabsichtigt. Alle darin beschriebenen Vorkommnisse sind frei erfunden.

Der Inhalt dieses Buches ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren, Vervielfältigen und Weitergabe sind nur zu privaten Zwecken erlaubt. Der Abdruck des Textes, auch nur in Auszügen, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.
 

2017-12-13

Kapitel 1 - Loraine

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Kapitel 1
Loraine

»Du wolltest mich sprechen?« Nervös blickte ich ins Zimmer meiner Agenturchefin und begann automatisch an meinen nicht vorhandenen Fingernägeln zu kauen. Ich konnte nicht verbergen, wie sehr mich der Anruf von Ines beunruhigt hatte. Warum? Weil ich wusste, worum es ging. Seit Monaten lieferte ich miserable Arbeit ab und meine Romane verkauften sich kaum. Ihre Bemühungen, mir durch Werbung unter die Arme zu greifen, blockierte ich in letzter Zeit immer häufiger oder startete unrealistische Alleingänge. Das war mir inzwischen bewusst, jedoch nicht die Konsequenzen, die mich erwarteten. Ines sah mich an, seufzte wiederholt, setzte zum Sprechen an und deutete letztendlich auf den freien Platz vor ihrem Schreibtisch. Unsicher nahm ich Platz und faltete die Hände. Sollte ich etwas sagen? Mich für mein Verhalten entschuldigen und hoffen, dass ich so mit einem blauen Auge davon kam? 
»Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll«, sagte sie schließlich und nahm mir so die Entscheidung ab. Mein Magen zog sich zusammen und ich spürte die leicht aufsteigende Übelkeit, die meiner Aufregung geschuldet war. Ohne Ines war ich als Selfpublisher praktisch nichts. Sie übernahm sämtliche Verantwortung für Werbung und diverse Veranstaltungen. Sie kümmerte sich um den Vertrieb und die passenden Kontakte. Ines war es, die großteils mit den Vorkosten in Vorkasse ging und mir so den Start erleichterte. 
»Du bist in all den Jahren nicht nur eine Autorin gewesen, die ich gern unterstützt habe, sondern auch eine Freundin. Daher tat es mir sehr weh, dass du mich in den letzten Monaten derart von dir gestoßen hast, dass alle Bemühungen meinerseits umsonst waren. Das Ergebnis siehst du inzwischen sicher selbst. Deine Romane verkaufen sich schlecht. Die Umsätze sind drastisch nach unten gegangen und auf Bestellungen müssen Leser sehr lang warten. Viele treue Seelen haben sich von dir abgewandt und ich weiß nicht mehr, wie ich dich weiter unterstützen kann. Daher tut es mir leid, aber ich werde den Vertrag zwischen uns nicht verlängern. Ich kann mit niemandem zusammenarbeiten, der meine Hilfe nicht möchte und unzuverlässig ist.« Da waren sie, die Worte vor denen ich mich gefürchtet hatte. Ich stand nach all den Jahren wieder allein da und es war meine Schuld. In meinem Kopf breitete sich eine unendliche Leere aus, die mich daran hinderte, Ines zu antworten. Es stand außer Frage, dass ich Schuld an allem hatte. Doch wie sollte ich ihr und meinen Lesern die Umstände erklären? Ich konnte nicht die Wahrheit sagen, da ich mich selbst davor fürchtete. 
»Willst du mir gar nichts sagen?«, hakte sie nach. In ihrem Gesicht zeichnete sich ab, wie enttäuscht sie von mir war. Für Ines musste es so aussehen, als wäre mir die Situation egal und ich würde den Ernst der Lage nicht erkennen. Doch weit gefehlt! Ich verstand es, doch ich war nicht in der Lage, die Worte zu finden, die es jetzt bedurfte. 
»Wenn du nichts sagen möchtest, ist es besser, wenn du jetzt gehst. Es gibt Menschen, die nehmen meine Hilfe gern in Anspruch.« Mir entging der harte Unterton in ihren Worten nicht. Anstatt ihr jedoch zu antworten, stand ich auf und verließ ihr Büro. 
Agata, ihre Sekretärin lächelte mich mitfühlend an, sagte allerdings kein Wort. Ich setzte meinen Weg nach draußen fort und war dankbar, als mir die kühle Dezemberluft entgegen schlug. Sie passte zu meiner derzeitigen Stimmung und zu meinem aktuellen »Ich« Status. Düster, kalt, grau und ohne Zukunft. Lennox hatte mir das letzte bisschen in meinem Leben genommen. Erst meinen Traum von einer glücklichen, gemeinsamen Zukunft, meine Freunde und nun auch noch meinen Job, den ich liebte. Und ich? Ich akzeptierte es, ohne mich gegen ihn zu wehren! Schon nachdem ich merkte, dass die Seifenblase zu platzen begann, hätte ich meine Koffer packen und gehen sollen. Und was tat ich? Wie ein kleines Mädchen an seinem Hosenbein hängen, weil ich es nicht ertrug, allein zu sein! Einen kurzen Augenblick dachte ich darüber nach, nach Hause zu gehen, doch ich entschied mich dagegen. Alles, was ich wollte und brauchte, war Ruhe und die würde ich dort nicht bekommen. Aus diesem Grund machte ich kehrt und ging in die entgegengesetze Richtung. Vielleicht würde mich meine Schwester für ein paar Tage bei sich aufnehmen, bis ich wusste, wie es weitergehen sollte. 
Würde ich mit dem Schreiben aufhören und wieder in meinen normalen Job anfangen? Konnte ich weiterhin mit Lennox in einer Wohnung wohnen? War ich endlich in der Lage ihn zu verlassen, obwohl ich Angst davor hatte, allein zu sein? 
In meinem Kopf bildete sich eine Gedankenspirale, die sich in einen endlosen Strudel verwandelte! Ich war ein Feigling, der weder für sich selbst, noch für seine Träume einstehen konnte! 
An der Wohnung meiner Schwester angekommen, klingelte ich und hoffte, dass sie zu Hause war. 
»Ja?«, ertönte ihre liebliche Stimme nur kurze Zeit später. 
»Ich bin es Schwesterherz. Lässt du mich rein?« Ein Augenblick verging, bis sie den Türöffner betätigte und mich ins Haus ließ. Eilig ging ich die Stufen nach oben. Erst jetzt fiel mir auf, wie kalt mir war. 
»Hi, ich habe nicht mit dir gerechnet, um ehrlich zu sein«, sagte Devia und hielt die Tür fest in der rechten Hand. Mein Blick glitt über die Aufmachung meiner Schwester, die wenig mit ihrem sonst legeren Anblick gemein hatte. Schwarze Seidenstrümpfe lugten unter dem weißen Bademantel hervor, den ich ihr vor zwei Jahren zu Weihnachten geschenkt hatte. Ihre Haare waren verwuselt und ihre Wange stark gerötet. Offenbar hatte ich mir den ungünstigsten Moment ausgesucht, den ich finden konnte. 
»Ich komme ein anderes Mal wieder«, erwiderte ich schnell und machte auf dem Absatz kehrt. Ein Schmunzeln konnte ich mir trotz meiner angespannten Situation dennoch nicht verkneifen. 
Nun musste ich dennoch nach Hause, aber ich würde mich einfach ins Arbeitszimmer sperren und den Rest des Tages nicht mehr herauskommen. 

***

»Wo warst du?« Der beißende Unterton in der Stimme meines Freundes verhieß nichts Gutes. Wenn mir eines an die Nerven ging, dann seine Eifersucht. Warum kommst du so spät? Wer war alles dabei? Du hast einen anderen! In den letzten Monaten hatte es an Intensität gewonnen und unsere einst harmonische Beziehung die Klippen runter gejagt. Dass ich dennoch bei ihm blieb, lag an unserer gemeinsamen Wohnung. Mein aktueller Status erlaubte es mir nicht, eine eigene zu finanzieren, denn meine Reserven waren bis auf das letzte erschöpft. Und ohne die Unterstützung von Ines würde es nicht besser werden. 
»Ich war in der Agentur und jetzt gehe ich in mein Zimmer.« Entschlossen stapfte ich an ihm vorbei, ohne ihn anzusehen. Erst in meinem Reich angekommen, atmete ich erleichtert aus. Die derzeitige Situation konnte ich drehen und wenden, wie ich wollte! Es musste sich etwas ändern! An mir, an meinen Büchern und vor allem am häuslichen Umfeld. 
Entschlossen kramte ich den Laptop aus seinem Fach und setzte mich damit an den Schreibtisch. Es war bereits mehrere Monate her, als ich ein paar Worte getippt hatte. Und vermutlich würde ich den angefangenen Roman nicht beenden. Das Thema war abgedroschen und in der momentanen Verfassung war eine Betriebsanleitung für eine Waschmaschine interessanter. Um wieder ins Geschäft zu kommen, musste ich mich mit den Geschmäckern der Leser auseinandersetzen, ohne gleich auf eines der Pferde aufzusteigen, die im Umlauf waren. Leichter gesagt, als getan, denn dort lag ein weiteres Problem. Es half nichts, wenn die eigenen Ideen nicht recht fließen wollten. Mein Kopf erfüllte eine einzige Leere, der ich nicht Herr werden konnte. 
Und so starrte ich, wie auch in den letzten Monaten, auf das leere Word Dokument, das sich nicht mit Wörtern füllen wollte.

Admin - 07:48:41 @ One Obsession | Kommentar hinzufügen